Startseite » Ein bewegender Abschied am Ludwig-Steil-Hof
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Der Anlass, der kürzlich viele Menschen im Großen Saal des Ernst-Willm-Hauses zusammenführte, war kein gewöhnlicher. Nach mehr als drei Jahrzehnten im Dienst der Bischof-Hermann-Kunst-Schule wurde Schulleiter Dieter Gerecke feierlich in den Ruhestand verabschiedet. 32 Jahre lang war er an der Schule tätig, mehr als 25 Jahre davon als Mitglied der Schulleitung und die letzten zwölf Jahre als Schulleiter.
Vorstand Pfarrer Stefan Bäumer blickte in seiner Ansprache mit großem Respekt auf dieses außergewöhnliche Engagement zurück. Dass jemand beinahe von den ersten Schritten im Beruf bis zur Pensionierung an einem Ort wirke, sei selbst auf dem Ludwig-Steil-Hof eine Besonderheit. Gerecke hätte auch den vermeintlich einfacheren Weg an ein Gymnasium wählen können, entschied sich jedoch bewusst für die Bündelschule in Espelkamp.
Als Dieter Gerecke einst als Russischlehrer an den Ludwig-Steil-Hof kam, ahnte niemand, wie prägend seine Arbeit werden würde. Bäumer beschrieb ihn als einen Menschen, der sich in Ost und West gleichermaßen zu Hause fühle und kulturübergreifend wirke. Als Geschichtslehrer habe er das Zeitgeschehen stets im Spiegel der Vergangenheit eingeordnet und dabei auch mahnende Worte nicht gescheut, etwa vor einer „Weimarisierung“ der Gesellschaft oder den Schwachstellen des heutigen Schulsystems.
Vor allem zeichnete ihn seine Haltung aus: Gerecke sei Lehrer mit Leib und Seele gewesen. Oft gewissermaßen als Papa und guter Onkel wahrgenommen, aber nie als reiner Pauker. Dabei sei er stets glaubhaft bescheiden geblieben.
Die Bischof-Hermann-Kunst-Schule vereint als Bündelschule eine Hauptschule und eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Schülerschaften aus zeitweise über 50 Nationen, nicht selten mit Migrationsgeschichten und aus herausfordernden Verhältnissen, prägen den Schulalltag. Gerecke habe diesen Bildungsauftrag mit voller Überzeugung angenommen und vielen jungen Menschen den Weg für ein gelingendes Leben geebnet.
Für Gerecke war die Liegenschaft mitten in der Flüchtlingsstadt Espelkamp mehr als nur ein Arbeitsplatz. Er bezeichnete sie oft als magischen Ort und als Mikrokosmos des gesamten deutschen Sozialwesens. Seine Identifikation mit dieser Historie und sein Einsatz für ein ordentliches, einladendes Schulumfeld zeichneten ihn bis zuletzt aus.
Die Jahre an der Spitze der Schule verlangten dem Pädagogen viel ab. Ob die Migrationsbewegung 2015/2016 oder die Coronapandemie ab 2020: Anordnungen der Bezirksregierung mussten nicht selten gefühlt über Nacht umgesetzt werden. Hinzu kamen dauerhafte Kämpfe um geeignetes Personal, die eigene Nachfolge und die nötigen finanziellen Mittel. Bäumer dankte dem künftigen Pensionär ausdrücklich für diesen unermüdlichen Einsatz, der nicht selten an gesundheitliche Grenzen ging, und übermittelte die herzlichsten Segenswünsche der Stiftung.
Auch Espelkamps Bürgermeister Dr. Henning Vieker würdigte die Verdienste des Schulleiters. Er betonte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt und erinnerte an gemeinsame Höhepunkte wie den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Schule sowie die anschließende Reise nach Berlin. Auch der Besuch von NRW-Landtagspräsident André Kuper fiel in diese bewegte Zeit. Vieker betonte, dass Gerecke stets das Wohl der Schülerinnen und Schüler mit großer Leidenschaft in den Mittelpunkt gerückt habe.
Wiebke Henke, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, veranschaulichte in einem persönlichen Beitrag, warum Gerecke von Beginn an eine so tiefe Verbundenheit zum Ludwig-Steil-Hof spürte. Die Schule und der Ludwig-Steil-Hof selbst sei für ihn nie nur eine Arbeitsstätte, sondern immer auch ein Stück Heimat gewesen.
Lehrerin Christine Arnold blickte stellvertretend für das gesamte Kollegium auf die gemeinsamen Jahre zurück. Sie hob hervor, dass sich die Rahmenbedingungen über die Jahrzehnte ständig verändert hätten. Gerecke sei diesen Herausforderungen stets als offener und zugewandter Schulleiter begegnet.
Sichtlich bewegt dankte Dieter Gerecke allen Anwesenden für die wertschätzenden Worte. Bei persönlichen Präsenten und angeregten Gesprächen klang die Feierlichkeit aus. Die Spuren, die er an der Bischof-Hermann-Kunst-Schule hinterlässt, werden noch lange sichtbar bleiben.