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Es gibt Momente im Schulalltag, da entscheidet nicht die körperliche Kraft über Erfolg oder Misserfolg, sondern das mentale Fundament. Momente, in denen die Frage im Raum steht: Vertraue ich meinem Gegenüber und mir selbst? Genau um diese Erfahrungen ging es in den vergangenen Tagen in der Sporthalle der Bischof-Hermann-Kunst-Schule. An insgesamt neun intensiven Projekttagen wurde die schuleigene Halle zu einem lebendigen Erprobungsraum für soziales Lernen, Ich-Stärkung und nachhaltige Gewaltprävention. Als Träger der Schule blickt auch der Ludwig-Steil-Hof auf ein Projekt zurück, das nach ersten herausragenden Erfahrungen vor zwei Jahren nun fest im Schulprogramm verankert werden soll.
Das Besondere an diesem präventiven Kraftakt war die Konsequenz in der Umsetzung: Es handelte sich um ein verpflichtendes, ganzheitliches Projekt, das die gesamte Schule mit all ihren Jahrgängen umfasste. Um den Jugendlichen einen absolut geschützten und bewertungsfreien Raum zu bieten, wurde das Training geschlechterhomogen durchgeführt – Mädchen und Jungen stellten sich den Herausforderungen strikt getrennt voneinander, was die emotionale Öffnung spürbar erleichterte.
Das methodische Fundament ruht auf zwei Säulen: dem Konzept „Wir sind Klasse!“ und den geschützten „KampfESspielen“. Das Ziel: Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre eigene Wirksamkeit erfahren und lernen, dass sie vieles im Alltag selbst in der Hand haben, wenn sie sich klar äußern und ihr Verhalten bewusst steuern. Gleichzeitig wurde das Miteinander innerhalb der Gruppen gestärkt. Als zentraler moralischer Kompass diente dabei der sogenannte „Innere Schiedsrichter“ – eine vom Trainer installierte Instanz, die zur aktiven Verantwortungsübernahme einlädt und den Wert von Verlässlichkeit direkt erlebbar macht.
Geleitet wurden die bewegenden Tage von Peter Hebeisen, dem Leiter des Institutes KRAFTPROTZ aus Bremen. Die in der Sporthalle durchgeführten Übungen waren dabei präzise auf die emotionalen Lernziele abgestimmt. Beim „Boxhandschuh-Werfen“ wurde der Innere Schiedsrichter spielerisch im Bewusstsein verankert, während beim „2er Fangen“ der Wert von gegenseitiger Hilfe im Vordergrund stand. Die bewegende Rückmeldung vieler Jugendlicher: „Wir haben heute allen geholfen und nicht nur unseren engen Freundinnen und Freunden.“
Den emotionalen Höhepunkt bildete die Übung „Die Wand“, bei der eine hochgestellte Weichbodenmatte komplett überquert werden musste. Ein Unterfangen, das nur durch die gebündelte Unterstützung der Gemeinschaft und unter Aufbietung des ganz persönlichen Mutes gelingen konnte. Wer zögerte, nutzte ein einfaches, aber mächtiges Werkzeug des Trainers: das laute, dreimalige Aussprechen des Satzes „Ich schaffe das!“ vor dem nächsten Versuch.
Wie intensiv dieses Angebot wirkte, zeigte eine Anekdote aus einer Mädchengruppe: Nach der Bewältigung der Wand erarbeiteten die Schülerinnen im Gespräch, dass es auch im Alltag Mut erfordert, laut und vernehmlich „Stopp!“ zu sagen. Das Fazit der sichtlich bewegten Mädchen: „Sie verstehen uns. Wir sollten eigentlich in jeder Woche ein solches Training haben!“
Schulsozialarbeiterin Irene Dück zieht gemeinsam mit der Schulleitung eine uneingeschränkt positive Bilanz: Die gesteckten pädagogischen Ziele wurden vollauf erreicht. Da ein dreistündiges Training pro Gruppe im Hinblick auf eine dauerhafte Verhaltensänderung jedoch nur ein Impuls sein kann, liegt der Schlüssel zur Nachhaltigkeit nun im Schulalltag. Die Lehrkräfte nahmen als aufmerksame Beobachter an den Trainings teil und nutzten die anschließenden Reflexionsgespräche mit dem Trainer. Sie werden die gesetzten Impulse – allen voran den „Inneren Schiedsrichter“ – nun aktiv in den täglichen Unterricht einbinden, um den respektvollen Umgang miteinander dauerhaft lebendig zu halten.